Friedhelm Müller, seit 1985 Teilnehmer am Berlin Marathon
Friedhelm Müller, seit 1985 Teilnehmer am Berlin Marathon

08. September 2016 - Wenn am letzten September Sonntagmorgen, früh so gegen halb neun, die Teilnehmer auf drei Rädern vor der beeindruckenden Läufermasse ihre Startpositionen einnehmen, so hat das in der Hauptstadt eine lange Tradition.

Gut kann ich mich noch an meine erste Teilnahme am Berlin-Marathon im Jahr 1985 erinnern. Das war schon damals etwas besonderes, bei so einem großen Rennen als Rollifahrer an den Start zu gehen.

Schon beim Eintreffen der Meldebestätigung machte sich Aufregung und Anspannung in mir bemerkbar. Ob ich die 42 Km Runde mit meinem Rennrollstuhl auch schaffen würde?

Dieser Gedanke ging mir durch den Kopf, aber nicht zu starten war dann auch keine Option für mich. Trotz Reifenpanne erreichte ich erschöpft, aber voller Glückshormone das Ziel an der Gedächtniskirche. Ich war tief beeindruckt von den Zuschauermassen an der Strecke, die mit ihren Anfeuerungen jede Müdigkeit in den Armen „wegschrien“. Dass ich kurz nach dem Rennen noch fürs Fernsehen interviewt wurde, machte diesen Tag für mich unvergesslich.

Seitdem bin ich zwanzigmal in Berlin gestartet und habe dabei die ganze Bandbreite des Sports durchlebt. Von „beinahe Siegen“ über Regenschlachten, Stürze, Pannen etc. war alles dabei, aber bereut habe ich mein Kommen nie! 

Als 2004 die Handbiker zum ersten Mal in Berlin starten durften, war ich natürlich zur Stelle.

Ich hatte, wie viele andere ehemalige Rennrollstuhlfahrer, die Vorzüge des neuen Sportgerätes erkannt und blieb so Stammgast in Berlin. Die Anspannung beim Startcountdown,  die Erlösung durch den Schuss, der die „Meute“ auf die Strecke schickt, das sind die Momente, die ich sicher vermisse, wenn ich einmal nicht mehr an der Startlinie stehen werde.

Heute ist die Teilnahme von Sportlerinnen und Sportlern im Handbike und Rollstuhl am Berlin-Marathon „normal“. Aber es war und ist ein stetiger Prozess, der erst durch die Offenheit der Organisatoren für uns und durch den Willen der Athleten zu einer Erfolgsgeschichte wurde, die hoffentlich auch weitergeführt wird.

Friedhelm Müller, Siegen  Medica Handbiketeam

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